Nie zuvor war unser Leben so schnelllebig und unplanbar wie in der Andersartigkeit dieser Tage. In einer Welt, die immer lauter und hektischer wird, wächst in uns das Bedürfnis nach innerer Ruhe, Vertrautheit und Sicherheit. Dabei hält das Leben immer wieder vielfältigste Phasen für uns bereit. Phasen des Glücks und vollkommener Zufriedenheit, aber auch Phasen die geprägt sind von großer Erschöpfung und des Leids. 

Wir alle sind (ein-)gebunden. Eingebunden in Familie, Freund- und Liebschaften, Freizeitgestaltungen, in die Arbeitswelt. Seit der Stunde unserer Geburt bewegen wir uns nahezu nahtlos von einem (Anforderungs-)Bereich in den nächsten: Familie, Kindergarten, Schule, Ausbildung, Familiengründung. Die Reihenfolge dieser Lebensereignisse kann im Detail natürlich variieren und sind nur im Wesentlichen klar definiert. Hinzu kommt, dass wir den zahlreichen Ein- und Vorstellungen unseres Umfeldes in unseren ersten Lebensjahren unmittelbar ausgeliefert sind. Sie nehmen Einfluss darauf, ob wir die zahlreichen Veränderungen in unserem Leben mit Freude willkommen heißen oder wir diesen eher mit Skepsis begegnen.

Kündigt sich eine Krise an, braucht es oft Zeit und Geduld, um zu realisieren, dass sich etwas nicht mehr stimmig anfühlt. Oftmals ist es so, dass wir Gefühle des Unwohlseins lange Zeit in Kauf nehmen, als wirklich etwas in unserem Leben zu verändern.

Uns nahestehende Personen bemerken zumeist frühzeitig, dass sich in uns etwas tut, etwas in uns in Bewegung kommt. Für sie ist es dann oft nur schwer nachvollziehbar, warum wir nicht längst etwas an der aktuellen Situation verändert haben, so z. B. den Umgang mit unserem Partner und/oder unseren Kindern, sich beruflich neu zu orientieren oder uns aus einer Beziehung zu lösen, die uns nicht guttut.

Veränderungen können Angst machen.

Veränderungen können Angst machen und unseren gewohnten Alltag durcheinander bringen. Dabei ist diese Angst vor Veränderungen grundsätzlich nichts Verwerfliches, ganz im Gegenteil. Eine gesunde Skepsis gegenüber Veränderungen hat durchaus seinen Sinn: gerade dann, wenn das Risiko einer bevorstehenden Veränderung für uns kaum abschätzbar ist und/oder Gefühle von Unsicherheiten in uns auslöst, also eine echte Gefährdung für unser Sein bedeuten würde. Die gewohnten Pfade zu (be-)gehen scheinen in Anbetracht der Situation die bestmögliche Alternative zu dem Unbekannten, denn im Bekannten kennen wir uns aus, wissen wie wir handeln müssen, wie wir uns schützen können.

Stecken wir in einer persönlichen Krise – einer Phase, geprägt von Veränderungen – wollen  wir schnell wieder aus dieser Situation herauskommen. Dass das Jonglieren mit Herausforderungen zu unserem alltäglichen Leben dazu gehört und zumeist etwas ist, woran wir wachsen und lernen können, ist für uns in solchen Phasen des Lebens nur schwer vorstellbar, schwer annehmbar. 

Wie wir in unserem Leben mit herausfordernden Situationen umgehen, hängt dabei von unserem Vorwissen ab, davon wie wir familiär geprägt wurden und durch all das, was wir im Laufe der Jahre erlebt und erfahren haben. Wurden unsere Bedürfnisse in der Kindheit nicht ernst genommen oder abgelehnt, geben wir diesen in unserem späteren Leben oft selbst auch keinen Raum. Wir haben kaum einen Blick dafür oder eine Ahnung davon, was wir wirklich brauchen, welche Bedürfnisse uns wichtig sind und nach welchen Wertvorstellungen wir unser Leben ausrichten, ausrichten wollen. 

Die Macht von Gewohnheiten und Prägungen ist groß. Ob wir es wollen oder nicht, wir entscheiden oft ganz unwillkürlich, wofür wir unsere Energie aufbringen und wofür nicht. Dies ist eine von der Natur in uns angelegte (Sicherheits-)Funktion unseres Gehirns, um uns vor einem unnötigen Energieverlust zu schützen. Alltägliche Dinge wie z.B. das Atmen, Laufen, Fahrrad- oder Autofahren sind erlernte Fertigkeiten, die im Laufe der Zeit als gewohnte Routinen zu unserem (Lebens-)Alltag dazu gehören. Ungefähr 40 Prozent aller unserer täglichen Handlungen laufen in dieser Form ab. Unser Gehirn muss sich somit weniger anstrengen und spart kostbare Energie, eine sehr ressourcenorientierte und effiziente Strategie. 

Wollen wir also Veränderungen in unserem Leben willkommen heißen, stellt uns das nicht nur gefühlt vor etwaige Herausforderungen. So lieb und teuer uns nämlich unsere Gewohnheiten werden können, so schwer fällt es uns, diese auch wieder los zu werden. All unsere liebgewonnen und bequemen Gewohnheiten, haben in unserem Gehirn ihre Spuren hinterlassen. Diese eingelaufenen Pfade zu verlassen, braucht Zeit und kostet Energie. Doch jeder von uns, der regelmäßig einer geliebten Tätigkeit nachgeht wie etwa Sport zu treiben, Malen, Lesen oder ein Musikinstrument zu spielen, weiß, dass sich durch die wiederholte Handlung ein positiver Effekt einstellt.

Machen wir uns bewusst, dass alles, was wir in unserem Leben machen oder auch nicht,  aktive Entscheidungen sind, die wir treffen und dass jede Entscheidung einen Veränderungsprozesse mit sich bringt. 

Man könnte also meinen.

Veränderungen sind ein kostbares Gut, welches wir uns bewusst-machen und in unserem alltäglichen Leben kultivieren sollten. Denn genau hier, wo wir gerade sind und stehen, sind wir richtig. Nehmen wir uns Zeit, spüren wir den Boden unter unseren Füßen, die klare Luft und das Licht. Wir können uns gewiss sein, dass alles in unserem Leben einen Sinn, seine Zeit, seinen Ort und seinen Platz hat. Machen wir uns nun bewusst, dass auch jede von uns zuvor getroffene Entscheidung – egal ob groß oder klein – uns zu dem gemacht hat, was wir sind, unser Denken formt und prägt, unsere Sicht auf die Welt beeinflusst und dafür verantwortlich ist, wie wir mit uns selbst und auch mit anderen umgehen, also wie wir letztendlich mit Veränderungen umgehen, Krisen bewerten und Hindernisse bewältigen.

Was würde mit uns passieren, wenn wir uns darüber bewusst-werden, dass unser Sein, unser Verhalten und unsere Reaktionen auf Veränderungen einen enormen Einfluss auf unsere zukünftige Lebensgestaltung haben? 

Sich selbst Zeit zu schenken, um Veränderungen im Leben ganz bewusst zu begegnen und nicht in den gewohnten affektiven Aktionismus zu verfallen, sondern den Blick nach innen zu richten, um neue mögliche Pfade zu erkunden, zu (be-)gehen.

Um unseren Bedürfnissen und Werten wieder etwas näher zu kommen, uns selbst (wieder) mehr zu spüren und somit wieder mehr Stimmigkeit und Stärke in unserem Leben willkommen zu heißen, empfiehlt es sich, sich mit den folgenden Impulsen zu beschäftigen:

Sich ein wenig (Aus-)Zeit (zu-)nehmen. Welche (Aus-)Zeit nehme ich mir? Was brauche ich?

Wie steht es um meine persönlichen Bedürfnisse und Werte? Bin ich mir dieser bewusst?

Habe ich mich in der letzten Zeit wirklich gut um mich gekümmert oder habe ich eher den äußeren vermeintlich wichtigeren Ansprüchen genügt?

Welche meditativen Elemente gibt es in meinem Alltag? Welche meditativen Elemente würden mir gut tun und wären lohnenswert, sie in meinem Leben zu integrieren (z.B. geführte Meditationen, Wald-Spaziergänge, Ruhepause in Stille, regelmäßige Schlafroutinen, achtsame Bewegung, Atemübungen, gutes Essen etc.)?

Gespräche mit lieben Menschen: Mit anderen ins Gespräch zu kommen, sich zu öffnen, darüber zu reden, was einem wichtig ist. Der Austausch tut gut und kann dabei helfen dem innerlichen Gedankenkarussell den Schwung zu nehmen.

Sich zu fragen, was man als Kind gebraucht hätte, um mit Hindernissen und/oder Krisen besser umzugehen. Sich zu fragen, was man als Kind machen wollte, „wenn man groß ist“; was man damals gern gemacht hätte

Zu überlegen, welche Ernährung und Bewegung mir jetzt gut tun würde.

Sich seiner Seele, seinem Innersten selbst zuzuwenden und sich eine echte Auszeit zu erlauben, kann zutiefst erfüllend sein und unserem Leben eine heilsame Richtung geben und uns dabei unterstützen, Veränderungen anzugehen und zu bewältigen – die Scheu vor Veränderungen zu überwinden.

Ein persönliches Nachwort.

„Ich bereue nichts im Leben, außer dem, was ich nicht getan haben.“ Coco Chanel

Coco Chanel lebte ein bewegendes Leben. Immer wieder bin ich aufs Neue inspiriert von dem Zitat und ihren Worten. Was ich mir wünsche für uns Menschen wünsche, ist, dass wir unser Zögern überwinden und wir immer versuchen Neues kennenzulernen. Was ich damit meine, ist, dass wir stets den Mut haben Neues in unser Leben zu integrieren und zugleich das Vertrauen in uns tragen, jeder Zeit zu dem zurückkehren zu können, was wir bereits kennen und schätzen. Zurückzukehren zu dem, was sich für uns bewährt hat, uns nährt und uns Sicherheit gibt.